Funky Neo-Noir im Flüstergesang

Sängerin Melody Gardot gastiert beim Jazzfest in der Staatsoper und hat auch ihr jüngstes Album dabei

Feuilleton | MUSIKKRITIK: KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 26/15 vom 24.06.2015

Der Himmel hängt tief, ein Gewitter zieht auf, die beiden Buben werden nicht lange beim Fischen sein. Die Landschaft mit ihren bizarr bärtigen Sumpfzypressen kennt man aus Film und Fernsehen - sie steht ikonisch für den amerikanischen Süden, und die düsteren Assoziationen, die sich einstellen, werden bald bestätigt: Die sanft summende Stimme Melody Gardots geht in ein elegisches "Oooh" über, und während die Mutter den Leichnam ihres Sohnes, den die beiden Buben soeben entdeckt haben, aus dem Fluss zerrt und ans Ufer trägt, setzt passgenau und effektiv das Gitarrenriff ein.

Einige der forensischen Details sind authentisch -etwa der Stacheldraht, mit dem die Mörder ihr Opfer an einen massiven Ventilator gebunden und im Tallahatchie River versenkt hatten. Das Gesicht Emmett Tills bleibt den Zusehern erspart: Nach dem Kopfschuss, mit dem zwei weiße Rassisten den 14-Jährigen ermordet hatten, fehlte ein Auge. Und allzu explizit darf ein Musikvideo auch nicht sein.

Warum sich eine 30-jährige


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