Am Apparat Telefonkolumne

Werden Straßen jetzt mit Gift asphaltiert, Herr Schuster?

Politik | INTERVIEW: JOSEF REDL | aus FALTER 26/15 vom 24.06.2015

Dieser Tage wird im Umweltministerium die finale Version der sogenannten Recycling-Baustoffverordnung ausgearbeitet. Diese dürfte es erlauben, dass belastete Schlacke aus dem Linz-Donauwitz-Verfahren des Stahlkonzerns Voestalpine in Zukunft nicht mehr deponiert werden muss, sondern im Straßenbau eingesetzt werden kann. Was hält eigentlich der Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster davon?

Kennen Sie den endgültigen Entwurf der Verordnung schon?

Wir wissen noch nicht, was in der finalen Fassung steht. Wir haben im Begutachtungsverfahren eine ganze Reihe von Vorschlägen gemacht. In der letzten Version, die ich kenne, sind unsere Vorschläge noch enthalten. Mal sehen, ob das so geblieben ist.

Greenpeace hat sich dafür ausgesprochen, dass mit Chrom VI belastete Schlacke der Voestalpine beim Straßenbau eingesetzt werden darf. Warum?

Wir haben umfangreiche Studien mit dem Umweltbundesamt durchgeführt. Unser Fazit ist, dass es ökologisch vertretbar ist, sogar sinnvoll.

Wieso sinnvoll?

Die Schlacke müsste ansonsten deponiert werden. So kann sie wiederverwendet werden. Die Alternative, Hartgestein, ist ein knapper Rohstoff. Andere Baustoffe wie Zement enthalten übrigens mehr Chrom VI als die sogenannte LD-Schlacke. Oberste Bedingung ist natürlich, dass es genaue Kontrollen der eingesetzten Schlacke gibt -und dass das Material sachgerecht eingesetzt wird. Zum Beispiel nicht in Wasserschutzgebieten.

Das Thema wurde von viel Lobbying begleitet. Ist jemand bei Ihnen vorstellig geworden?

Sowohl Vertreter der Schotterindustrie als auch der Voestalpine haben uns ihren Standpunkt dargelegt.

Hat jemand ein unmoralisches Angebot gemacht?

Uns nicht.


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