Kunst Kritik

Es ist nur wenig drin von dem, was draufsteht

Lexikon | NS | aus FALTER 26/15 vom 24.06.2015

Die Dresdner Gemäldegalerie erweitert ihre Museumshallen und schickt einen Teil ihrer Sammlung ins Ausland. Die absoluten Glanzstücke der Sammlung, etwa Raffaels "Sixtinische Madonna", bleiben aber zu Hause, denn dort geht der Besucherbetrieb trotz Baustelle weiter. Die Schau "Rembrandt - Tizian - Bellotto" im Winterpalais schrammt knapp am Etikettenschwindel vorbei, denn ein einziger Rembrandt und ein einziger Tizian rechtfertigen wohl noch keine solche Überschrift. Die Bellottos machen freilich viel her, besonders die ungeheuer detaillierte Ansicht der nach preußischen Bombardements in Trümmern liegenden Dresdner Kreuzkirche von 1765, die unwillkürlich an die Ruinen späterer Kriege denken lässt.

Die Schau betont den zeitlichen Konnex zwischen der von August dem Starken und seinem Sohn angelegten fürstlichen Sammlung und jener von Prinz Eugen, die früher im Winterpalais gehangen ist. Die Sehnsucht nach Italien war damals nicht nur unter den Künstlern ausgeprägt, junge Adelige aus den nördlichen Ländern begaben sich auf die Grande Tour und erwarben Veduten von Venedig, wie die Schau sie mit Canalettos großformatigen Ansichten zeigt.

Tizians anmutiges "Bildnis einer Dame in Weiß", von der eine Kopie Rubens' im Kunsthistorischen Museum hängt, kommt in einem Raum der Ausstellung mit Velazquez' Gemälde eines "Christusritters" und einer originellen Porträtreihe von Pietro Rotari zusammen, dessen Beobachtungsgabe an den Höfen von Dresden, Wien und St. Petersburg gut ankam. Als greinenden, dicke Buben, der sich noch dazu anmacht, stellt Rembrandt den Prinzen Ganymed dar, wie er von Zeus als Adler entführt wird. Das Gemälde wurde als Parodie einer das klassische Altertum zelebrierenden Bildidee von Michelangelo interpretiert. Über Rembrandts wahre Intention kann genauso nur spekuliert werden wie über die Identität von Tizians weißem Fräulein.

Winterpalais, bis 8.11.


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