Kolumne Außenpolitik

Griechenland zeigt die Defizite im politischen System Europas

Falter & Meinung | RAIMUND LÖW | aus FALTER 26/15 vom 24.06.2015

Im Finale um Griechenland hat sich ein fataler Irrtum breitgemacht. Grexit, der Austritt des Landes aus Euroland, sei gar nicht so schlimm, behaupten Politiker und Publizisten. Europas Finanzsystem sei stark genug, um den Abgang der unverlässlichen Kantonisten zu verkraften. Die zu erwartenden verheerenden Folgen für das Land, Bankenkrach, Chaos und Inflation, könnten einen heilsamen Schock auslösen, etwa in Spanien, wo die linksalternative Partei Podemos dem separatistischen Weg von Syriza folgen will, lauten die Argumente.

Wer so denkt, unterschätzt die Dynamik eines beginnenden Zerfalls. Eine Währung ist niemals nur Zahlungsmittel. Die D-Mark stand für den Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Euro war der wichtigste Schritt zu einem Vereinigten Europa, der seit dem Fall des Eisernen Vorhangs gesetzt wurde. Die Europäer waren stolz darauf, dass sie gelernt haben, Interessensgegensätze durch Verhandlungen zu lösen. Wenn sie sich als unfähig erweisen, mit


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