Vom Häuten der Hühner

... und anderer Nahrungsmittel zum Zweck der kulinarischen Veredelung

Stadtleben | Gerichtsbericht: Werner Meisinger | aus FALTER 27/15 vom 01.07.2015

Letztens konnte ich einen Meisterkoch beim Schälen eines roten Paprikas beobachten. Er schälte mit einem stumpfen Sparschäler. Das barmte mich. Nicht nur, weil der Mann in seiner langen Berufstätigkeit offenbar nicht erfahren hatte, wie man Paprika richtig schält, sondern vor allem, weil er die mühselig abgehobenen Schalen zum Müll gab. Armer, alter Koch, dachte ich, aufs Cover des Rolling Pin schaffst du es nimmermehr.

Haut und Schale sind nämlich das neue Fleisch und Gemüse. Wer heute modern ist, komponiert seine Kochkunstwerke aus dem, was andere liegen lassen, unbeachtet lassen oder zum Müll geben.

Das ist doppelt verdienstvoll. Ökologisch und kulturell. Null Abfall - bessere Welt. Noch nie dagewesenes Gericht - Bereicherung des menschlichen Wissensschatzes.

Dreifach wertvoll sogar: nämlich auch ökonomisch. Dem Gast getrocknete Milchhaut und gepuffte Hühnerhaut, Grammeln von der Ganslhaut, gebügelte Fischhaut und frittierte Flechten ums teure Geld verkaufen: An diesem Rezept


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