Enthusiasmuskolumne

Fremdschämspaß für die ganze Familie

Diesmal: Der beste schlechteste Film der Welt der Woche

Feuilleton | Birgit Wittstock | aus FALTER 27/15 vom 01.07.2015

Schlechte Filme gibt es wie Sand am Meer, aber es kann nur einen geben, der sich rühmen darf, der schlechteste Film aller Zeiten zu sein: "The Room" von Tommy Wiseau. Was dem cineastischen Antitalent Wiseau (bezeichnenderweise "Wieso" ausgesprochen) als Regisseur, Drehbuchautor, Hauptdarsteller und Produzenten des filmgewordenen Desasters gelungen ist, ist atemberaubend.

Hier ist nämlich absolut alles in die Hose gegangen, was nur in die Hose gehen kann: mieses Script, fehlender Plot mit Erzählsprüngen, die jegliche Logik vermissen lassen, Schauspieler, gegen die selbst Pornodarsteller oscarverdächtig wirken, grottenschlechte Dialoge und hundsmiserable Ausstattung. Konsequent!

Während man jede Sekunde dieses 99-minütigen Feuerwerks der Lächerlichkeit denkt, das kann doch nicht ernst gemeint sein, kommt man am Ende zu dem Schluss, dass ein solches Glanzstück an Schlechtigkeit nie gewollt und mit ironischem Augenzwinkern hätte entstehen können.

Der arme Wiseau hat es tatsächlich ernst gemeint, obwohl er, nachdem sein Trash-Film von den US-Kritikern brutalst abgewatscht wurde, behauptete, die Liebesgeschichte wäre eine schwarze Komödie. Die "Story" des 2003 veröffentlichten Films ist schnell erzählt: Mann (Wiseau) liebt Frau, die sich aber wiederum in dessen besten Freund verliebt. Diese simple Geschichte war zwar auch schon Stoff echter Meisterwerke, in diesem Fall ist sie Basis einer unfassbar komischen Fremdschämorgie. Klar, dass eine solche Perle nicht unbemerkt bleibt: Längst ist "The Room" zum Kultfilm avanciert und wird, vor allem im angelsächsischen und skandinavischen Raum, regelmäßig vor grölenden Fans in Nachtvorstellungen gezeigt. Eine nahezu psychedelische Erfahrung.


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