Kommentar Tetron-Affäre

Die Leistung des kleinen Bauern und die Frage, wer zuletzt lacht

Falter & Meinung | Josef Redl | aus FALTER 27/15 vom 01.07.2015

Alfons Mensdorff-Pouilly wirkt vor Gericht entspannt und gut gelaunt. Nur manchmal geht ein Beben durch den massigen Körper des Angeklagten. Wenn von Geldkoffern die Rede ist oder Worte wie Waffenhändler fallen. Kurz: wenn die Arbeit von Mensdorff-Pouilly in allzu deutlichen Worten beschrieben wird. Dann schüttelt es den Lobbyisten. Vor Lachen.

Fast möchte man mitlachen. Mensdorff-Pouilly, der sich gerne als Unschuld vom Lande verkauft, hat etwas Drolliges. Möglicherweise ist das Teil seiner Inszenierung. Ein nach eigener Definition "kleiner Landwirt", der Millionen von staatsnahen Unternehmen kassiert, ist in sich widersprüchlich. Aber mit seiner herzhaften Art bleibt er überzeugend. Mit den halbgaren Stehsätzen, die seine Tätigkeit beschreiben, aber niemals erklären. Mit den Erinnerungslücken.

In Mensdorff-Pouillys Geschäft bewahrt man keine Unterlagen auf, man redet mit jedem und niemandem, Honorare verstehen sich von selbst, es braucht da auch keine Verträge.

Im Geschäft von börsennotierten Unternehmen wie der Telekom Austria ist das anders. Da braucht es Verträge. Und Honoraren von 1,1 Millionen Euro muss eine nachvollziehbare Gegenleistung gegenüberstehen. Sonst ist das womöglich Untreue.

Es ist klar, dass das Mensdorff-Honorar in Zusammenhang mit der Vergabe des Behördenfunks an das Tetron-Konsortium aus Telekom, Alcatel und Motorola steht. Es ist klar, dass Mensdorff zur Zeit der Vergabe intensive Kontakte zum Kabinett des damaligen Innenministers Ernst Strasser pflegte.

Es ist auch klar, dass Mensdorff ein Schauspiel inszeniert. Unklar ist, ob das Drehbuch für die Figur Mensdorff am Ende ein Lachen vorsieht.


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