Mediaforschung Verführungskolumne

Schlechter Witz: Wie Billa seine Werbebotschaft versemmelt

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 27/15 vom 01.07.2015

Treffen sich ein Kornspitz und eine traurige Semmel vor einem Backshop. Fragt der Kornspitz: "Was ist denn mit dir los?" Antwortet die Semmel: "Die lassen mich nicht rein." Darauf der Kornspitz: "Oje, wie heißt du denn?" Sagt die Semmel: "Keine Ahnung." Schwingt plötzlich die Tür vom Backshop auf, kommt ein strenges Mohnweckerl heraus und sagt: "Eine No-name-Semmel. Nein, das geht nicht. Hier kommt man nur frisch vom Meisterbäcker rein." Sagt die Semmel: "Oh, mir bleibt wohl nur die Zweitkarriere als Semmelbrösel."

So geht der Anti-Witz, den die Handelskette Billa in ihrem neuen, animierten Fernsehwerbespot erzählt. Zum Schluss darf darin auch noch der "Hausverstand", die vertrottelte Billa-Werbefigur, auftreten und dem Zuschauer erklären: "Tja, wer ins beste Haus will, muss aus bestem Hause kommen." Mehr brauchte es nicht. Über die Social-Media-Kanäle fegte ein Shitstorm über den gelb-roten Supermarktriesen. Auf die Facebook-Seite von Billa schrieb eine erzürnte Posterin etwa: "Was soll das den Menschen, vor allem Kindern sagen? Dass sie nicht zu den anderen gehören, weil sie anders sind?" Ihr Beitrag wurde hunderte Male geteilt, über tausend Mal kommentiert und bekam über 9000 Likes.

Auch Vice und Standard rechneten mit der "Du darfst nicht rein"-Botschaft ab, die in Zeiten der feindseligen Stimmung gegenüber Flüchtlingen besonders unappetitlich klingt. Was kann die Werbebranche aus der Billa-Niederlage lernen? Versemmelt die Botschaft nicht, sonst gibt's Brösel!


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