Der Bauer und der Edelmann

Cooler Fetisch oder reaktionäre Kleinkariertheit? Karl Lagerfeld holt für Chanel die Lederhose aus der Mottenkiste

Stadtleben | Stilkritik: Matthias Dusini | aus FALTER 27/15 vom 01.07.2015

Die Kinder der veganen Bourgeoisie tauchen auf den sommerlichen Spielplätzen vermehrt mit Lederhosen und Dirndln auf, das Zeichen eines zwanglosen Umgangs mit toxischem kulturellem Material. Es ist noch nicht so lange her, da galt alles, was mit Tracht zu tun hatte, als Ausdruck reaktionärer Nostalgie. Wer seinen Nachwuchs in den 1970er-Jahren in Seppl-und Moidlgewand antreten ließ, sah Frauen am liebsten am Herd und nannte Obersalzberg einen schmucken Urlaubsort in den oberbayrischen Alpen.

Nun wird das von der Latzhosengeneration geschmähte Outfit von überraschender Seite aufgewertet. In einer aktuellen Magazinanzeige ist eine Chanel-Kollektion von Karl Lagerfeld zu sehen, die sich an österreichische Trachten anlehnt. Doppelte Zierknopfreihen und Loden sind chic.

reiste im vergangenen Winter mit der ganzen Chanel-Truppe von Paris nach Salzburg, um seine Hommage an die 1930er-Jahre, als etwa Marlene Dietrich die Festspiele mit Lodenhut besuchte, zu präsentieren und zu fotografieren.


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