"Eine schlamperte G'schicht"

Jahrzehntelang injizierten Wiener AKH-Ärzte ihren Patienten Malariaerreger. Die umstrittene Praxis beleuchtet nun ein Bericht - ausgerechnet vom Bruder eines der Klinikärzte

Politik | Bericht: Nina Brnada | aus FALTER 27/15 vom 01.07.2015

Diese Geschichte beginnt vor rund 100 Jahren. Julius Wagner-Jauregg, ein österreichischer Psychiater, entwickelte damals die Malariatherapie, um Syphiliskranke zu heilen. Patienten wurden absichtlich mit Malaria angesteckt, die Infektion verlief in Schüben mit über 40 Grad Fieber und führte zur Heilung der Syphilis. Seinerzeit galt die Methode als erfolgreich, Wagner-Jauregg bekam für diese Therapie im Jahr 1927 den Nobelpreis.

Mit dem Aufkommen des Penizillins verschwand die Malariatherapie aus der klinischen Praxis. In Wien hielt sie sich zumindest bis Ende der 1960er-Jahre. Sie wurde auch nicht zur Bekämpfung von Syphilis, sondern bei psychiatrischen Diagnosen eingesetzt. Etwa bei "Psychopathie" oder "Intelligenzmängeln". Die Therapien, so der Verdacht, waren offenbar nicht mehr lege artis. Frühere Patienten, darunter auch ehemalige Heimkinder, sind daher im Jahr 2012 mit dem Vorwurf an die Öffentlichkeit getreten, sie seien vom damaligen Klinikchef Hans Hoff ohne medizinische


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