Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Orangen-Nektar

Wie man Vitalität durch Präsentation schmälern kann

Stadtleben | MS | aus FALTER 27/15 vom 01.07.2015

Wer auf der Expo 2015 das Thema Ernährung entdecken möchte, braucht einen langen Atem und angesichts der Temperaturen genügend Wasser. Was positiv auffällt, ist, dass es Brunnen gibt, wo man Flaschen auffüllen kann; man ist also nicht ganz den omnipräsenten Konzernen ausgeliefert. Kaffee und Kakao gibt es nach dem Schlangestehen in den eigens eingerichteten Clustern zu entdecken und in den Pavillons jede Menge flüssige Delikatessen: Konyagy aus Turkmenistan, Vytautas-Mineralwasser aus Litauen oder Saft von Marco Colzani aus der Provinz Lecco, der aus sizilianischen Orangen hergestellt wurde. Eher lieblos sind sie neben anderen Spezialitäten aufgereiht, die T-Shirts und Kopfhörer als Mitbringsel in greifbarer Nähe. Hinter der 220-Milliliter-Glasflasche würde man kaum einen kraftvollen Geschmack vermuten. Ähnlich ergeht es einem beim Anblick der Slow-Food-Ecke im Biodiversity Square, der gleich ums Eck von der begrünten McDonald's-Filiale liegt. Es will in dieser Kombination kein rechter Glaube an die Vitalität der Nahrungsmittel entstehen. Der Saft hat es aber in sich. Sehr gewöhnungsbedürftig, da Schale mitverarbeitet wurde, was dem Ganzen eine sehr kräftig-ätherische Note verleiht. Außerdem ist er dickflüssig, bitter und süß zugleich. Nachgeholfen wurde mit Zuckerrohr. Navelina di Ribera, das ist der kleingedruckte Hinweis auf die Qualität und Herkunft der Orangen. Die verarbeiteten Bio-Orangen stammen von insgesamt 14 Kommunen aus dem Gebiet Agrigento nahe dem Tal der Tempel.


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