Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 27/15 vom 01.07.2015

Gute Rote

Der Ostbahn-Kurti auf dem Cover des Falter. Das klingt heute nicht so ungewöhnlich, wie es damals war. Denn musikalisch schien uns der Kerl zwar gut, aber doch viel zu sehr Mainstream. Es musste einen anderen Anlass geben, und siehe, es gab ihn. Das Integrationshaus wurde gegründet. Beziehungsweise wurde dessen baldige Inbetriebnahme von Bernhard Odehnal angekündigt.

"Bastion des Guten" lautete der Titel, und es ging wie heute um eine fremdenfeindliche Fremdenpolitik. Der Hauptauslöser mochten die Freiheitlichen gewesen sein, der Hauptadressat aber war die Wiener SPÖ: "Die SPÖ wird gut", behauptete Willi Resetarits alias Kurt Ostbahn keck. Das Integrationshaus werde gerade einmal zu einem Viertel aus öffentlichen Spenden finanziert, zu drei Vierteln aus öffentlichen Mitteln. "Die Gemeinde hat aber keine Lust, dass rauskommt, wie brav sie löhnt", erklärte Resetarits.

Das alte Lied und die alte Schwäche der Sozialdemokraten: Tue Gutes und sprich nicht darüber, auf dass nicht deine reaktionären Medienfreunde von dir abrücken. "Man muss sich dazu bekennen", sprach Willi Resetarits, "wir machen ausländerfreundliche Politik. Das heißt ja nicht, dass man deswegen sozial schwache Wienerinnen und Wiener benachteiligt. Es ist ein Bekenntnis, dass man denen, die es notwendig haben, hilft. Weil wir so toll sind und so viel Geld haben. Es ist ja massenhaft Kohle da, es floriert ja alles."

Was er zum Standpunkt Johann Hatzls sage, der den rechten Flügel der SPÖ abdeckte?"Vergesst Hatzl. Der ist ein Auslaufmodell", antwortete Resetarits frohgemut. Er sei immerhin der zuständige Stadtrat, wandte Odehnal ein.

"Ja, lass mich doch behaupten, dass das eine aussterbende Strömung ist. Ich behaupte das, weil ich es so will. Es gab früher so Kirchenzettel, da stand drauf: das Gute. Und das bin ich: das Gute. Alles wird gut werden. Auch die Wiener SPÖ ist auf dem Wege, gut zu werden."

Zwanzig Jahre danach, Willis Wort in Häupls Ohr.


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