Tiere

Tolle Hechte

Peter Iwaniewicz wundert sich, dass der Großteil ärztlich behandelter Menschenbisse Liebesbisse bei sexuellen Aktivitäten sind

Falters Zoo | aus FALTER 27/15 vom 01.07.2015


Ein Hecht, vom heiligen Anton / bekehrt, beschloss, samt Frau und Sohn / am vegetarischen Gedanken / moralisch sich emporzuranken“, dichtete lyrisch korrekt, aber zoologisch falsch Christian Morgenstern. Denn Hechte sind – wie wir dank aktueller und greller Berichterstattung erfahren haben – Freunde fleischlicher Nahrung und beißen gerne einmal einem siebenjährigen Buben mit 700 Zähnen eine sieben Zentimeter lange Wunde in den Fuß. Medien berichten sogar jedes Jahr zu Beginn der Badesaison über Hechte, die in diverse Organe der Schwimmenden beißen. Das tun sie aber nicht, weil sie wie Hunde nur spielen wollen, sondern weil sie sehr hungrig sind. Im Frühjahr haben die Hechtfrauen eine Fresshemmung, damit ihnen die paarungswilligen Hechtmänner nicht zum Opfer fallen. Nach dem Ende des Ablaichens und der Fastenzeit beißen diese ausgehungerten Fischinnen in alles, was sich bewegt. Roter Nagellack, vorzugsweise mit Glitzer, steigert die Chancen, einen Hecht mit bloßen Händen oder Füßen zu fangen. Da unsere schuppigen Freunde in nahrungsarmen Gewässern sogar auf lange Würmer und große Blutegel Jagd machen müssen, würde ich Männern vom Nacktbaden in solchen Teichen durchaus abraten.

Bei den meisten Säugetieren ist der stärkste Muskel im Körper – in Relation zur Größe – der zubeißende Kiefermuskel. Sein Antagonist, der Maulöffner, ist hingegen schwach, weswegen man einem Menschen mit einer Hand zwar den Mund zuhalten kann, es aber nicht schafft, das Schließen zu verhindern.

Bei Tieren lässt sich dieser Beißdruck in der Praxis kaum erheben. Oder würden Sie gerne einem Löwen das Messinstrument zwischen die Kiefer schieben? Deswegen wird diese Kraft nur rechnerisch anhand der Abmessungen von Kieferknochen und -muskeln toter Tiere berechnet. Spitzenreiter ist mit 1,8 Tonnen je Quadratzentimeter der Weiße Hai. In Relation zur Körpergröße, dem Beißkraftquotienten, siegt aber der Tasmanische Teufel mit 52 kg/cm2. Über Hechte liegen leider keine Daten vor.

2013 wurden der Arbeitsunfallversicherung 529 Unfälle mit Haus- und Zuchttieren gemeldet. In der Kategorie „Fische“ finden sich aber nur zwei Vorfälle, die 378 Euro an medizinischer Behandlung verursacht haben. Ein – metaphorisch etwas unsauber – Lercherlschas gegen fast 73.000 Euro, die jährlich infolge von Reitunfällen entstehen.


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