Ohren auf Das klassische Lied

Auf Wanderschaft durchs Gedicht-Musik-Dickicht

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 27/15 vom 01.07.2015

Nur weniges vermag ein so inniges und persönliches Erlebnis zu vermitteln wie das Lied. Da gibt es keine große Bühne, hinter der man sich verstecken kann, keine Schminke und keine Affekte - lediglich die intime Zwiesprache zwischen Wort und Ton, Gedicht und Gesang. Franz Schubert gilt mit 600 Kompositionen als der Übervater des Kunstlieds.

Den ersten großen Liederzyklus, "Die schöne Müllerin" (Wigmore Hall) nach Gedichten von Wilhelm Müller, hat nun der Schweizer Tenor Mauro Peter aufgenommen und dem wandernden, unglücklich verliebten Müllersburschen dabei eine ordentliche Frischzellenkur verpasst. Mit jugendlichem Elan und einer guten Portion Übermut macht er sich, gemeinsam mit Helmut Deutsch am Klavier, auf die Suche nach den kleinen und großen Dramen im Schubert'schen Gedicht-Musik-Dickicht.

Kunstvoll Vertontes von Robert Schumann und Hugo Wolf sowie selten Gehörtes von Frank Martin wählten Andrè Schuen (Bariton) und Daniel Heide (Klavier) für ihr gemeinsames Debüt "Lieder" (Avi), das von Männern und ihrem Altern handelt: vom jugendlichen Liebhaber bei Schumanns Heine-Vertonungen über Martins dämonischen "Jedermann" in der Midlife-Crisis bis zu Wolfs Harfenspieler aus Goethes Roman "Wilhelm Meister", der wehmütig und einsam auf sein Lebensende zugeht. Schuen findet für jedes dieser Seelenbilder den richtigen Ton zwischen Intimität und großer Geste.

Bis heute rätselt die Musikwissenschaft, wem Ludwig van Beethoven seinen einzigen Liederzyklus "An die ferne Geliebte" wohl gewidmet haben mag. Mark Padmore (Tenor) und Kristian Bezuidenhout (Hammerklavier) kombinieren ihn auf dem gleichnamigen Album (Harmonia Mundi) mit Liedern von Haydn und Mozart. Das Ergebnis besticht durch berührend schönen und fein differenzierten Gesang mit perfekt prononcierten Zeilen.


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