Doch kein Fischernetz

Eine alte Pizzeria wurde zu einer neuen Pizzeria - alla milanese

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 27/15 vom 01.07.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Irgendwer hat einmal behauptet, dass es sich bei dem hohen und mit alten Deckenfresken verzierten Speisesaal der Pizzeria Impressione um das ehemalige Refektorium eines Nonnenklosters handelt. Tolle Geschichte, hab ich sofort geglaubt und wohl auch das eine oder andere Mal geschrieben.

Stimmt halt leider nicht, der allwissende Dehio erwähnt kein Kloster und kein Refektorium, sondern nur das – zweifellos spektakuläre – Durchhaus zwischen Neustiftgasse und Lerchenfelder Straße. Die Pizzeria Impressione erwähnt er natürlich auch nicht, ist nicht sein Job, und abgesehen davon machte die vergangenes Jahr zu.

Für Christian Gansterer hatte das Lokal aber durchaus Bedeutung. Erstens, weil er am anderen Ende des Durchhauses sein Restaurant Kristians Monastiri hat, und zweitens, weil es der Schauplatz des ersten Dates mit seiner Frau war (womit der persönliche Bezug noch nicht zu Ende ist, aber dazu später).

Gansterer übernahm die Pizzeria, baute mächtig um, ergänzte die – wahrscheinlich eh nicht so alten – Fresken mit weiteren, ließ drei mächtige Luster aufhängen und vor allem einen Pizza-Holzofen bauen. Und benannte das Lokal nach seiner Tochter La Mia.

Nun gut. Um bombensicheres Italo-Flair zu generieren, kamen Schnappschüsse diverser italienischer Leinwandhelden an die Wand, Schlagworte wie „Dolce Vita“ und „Campo de Fiori“ auf die Homepage, und die Speisekarte erzählt von Dingen wie Insalata di Rucola, Penne all’arrabbiata und Panna cotta. Da denkt man sich, na bravo, fehlt nur noch das Fischernetz und der singende Kellner.

Keine Ahnung, was Christian Gansterer dabei ritt, sein neues Italo-Lokal so mainstreamig zu positionieren, die Wirklichkeit schaut dann nämlich eh anders aus. Was in erster Linie an Aguilan Konrad liegt, der schon in ein paar Lokalen Wiens ziemlich gut gekocht hat und das also auch hier macht. So sind die Strozzapreti bolognese eben nicht fade Nudeln mit der üblichen Sauce aus rotem Faschiertem, sondern tatsächlich ein tolles Pastagericht, lebendig und feurig, mit Sugo aus grob gehacktem Kalbfleisch, etwas Chili und ein bisschen zu viel Tomatenkonzentrat (€ 11,90). Oder die Kalamari vom Grill, normalerweise der Inbegriff meeresfruchtiger Banalität, hier von erstaunlicher Frische, Köstlichkeit, Würzung und Optik, die machten wirklich und ohne Schmäh Spaß (€ 15,90).

Der Pizzaiolo stammt aus Mailand, was die Pizza etwas anders werden lässt, als sie in Wiens hauptsächlich neapolitanisch ausgerichteten Kult-Pizzerien derzeit gemacht werden, flaumiger, etwas dicker, die Version „Cantarello“ mit Mozzarella, Eierschwammerln und Rucola war echt gut (€ 13,50). Dass Konrad hier in Zukunft noch ein paar Dinge abseits des ausgetretenen Pfades kochen darf, ist zu hoffen, empfehlenswert ist das La Mia aber schon jetzt.

Resümee:

Wirkt auf den ersten Blick wie der typische 08/15-Italiener, ist dann aber ein italienisches Lokal mit wirklich guter Küche. Tricky!

La Mia
7., Lerchenfelder Str. 13
Tel. 01/522 42 21
tägl. 11–24 Uhr
www.lamia.at


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