Film Neu im Kino

Secrets and Lies: "Die abhandene Welt"

Vanessa Scharrer | Lexikon | aus FALTER 28/15 vom 08.07.2015

Angeblich hat jeder einen Doppelgänger, doch wie es scheint, passiert es nur im Kino, dass dieser plötzlich tatsächlich auftaucht. Auch in Margarethe von Trottas neuem Film "Die abhandene Welt" soll es solch eine unglaubliche Entdeckung geben. Im Mittelpunkt steht Sophie (Katja Riemann), die dem Geheimnis einer Opernsängerin in New York (Barbara Sukowa) auf den Grund geht, die exakt wie ihre verstorbene Mutter aussieht. Dabei scheint sie die Einzige zu sein, die den Blick von außen bewahrt, obwohl diese Entdeckung dazu führt, dass sie um eine Halbschwester reicher wird.

Damit wäre Trotta bei ihrem liebsten Thema angelangt: der Beziehung zwischen Schwestern. Nur ist der Kontext dieses Mal leider kein politischer wie 1981 in "Die bleierne Zeit". Die zwei Familien, die hier zusammengeführt werden, gehören beide einem gutbürgerlichen Milieu an, wo man's sich leisten kann, zwecks der privaten Ahnenforschung ein paar Mal nach New York und wieder zurück nach Düsseldorf zu fliegen. Die Orte werden dabei so austauschbar wie Kulissen, die wahllos bespielt werden. Jedoch gewinnt diese Künstlichkeit im Laufe des Films an Potenzial.

Der falsche Familienstolz und die Geheimniskrämerei müssen schließlich in gewisse Absurditäten ausarten. Das verdeutlicht nicht zuletzt eine lächerliche Prügelei, die sich Sophies Vater und dessen verhasster Bruder mit gelben Tulpen liefern: Der Höhepunkt des alten Streits wird zur Lachnummer. Sophie sitzt als Einzige dabei und kann über die beiden Streithähne schmunzeln. Das kann man durchaus auch als Empfehlung für die Zuschauer verstehen, in den familiären Verwirrungen und Zwistigkeiten nicht nur das Melodram zu sehen, sondern vor allem deren alberne Seiten.

Ab Fr in den Kinos


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