Stadtrand Urbanismuskolumne

Und täglich grüßt der Bierkavalier

Birgit Wittstock wundert sich, dass um Geld betteln verboten ist, um ein Date betteln aber nicht

Stadtleben | aus FALTER 28/15 vom 08.07.2015

Über die Jahre hat man sich dar an gewöhnt, immer wieder mal blöd angequatscht zu werden. Sei es auf dem Heimweg oder in den Öffis. Belästigung gilt eben offenbar immer noch als Kavaliersdelikt. Im besten Fall ist die Situation einfach nur unangenehm. Trotzdem: Wie oft muss man sich das als Frau eigentlich gefallen lassen? Bizarr ist nämlich, was sich seit fast eineinhalb Jahren auf den Linien U4 und U6 abspielt: Regelmäßig lädt da ein Mann wahllos Frauen auf ein Bier ein. Lehnt man ab, folgt oft ein indigniertes "Warum nicht?", oder er arbeitet sich sofort weiter durch den Waggon zur nächsten Frau, zur nächsten Abfuhr. Immer und immer wieder.

Die Boulevardblätter nennen den Mann "Bierkavalier". In sozialen Netzwerken gratulieren ihm andere Männer zu seinem Mut. Vonseiten der Wiener Linien heißt es, es sei nicht verboten, andere Fahrgäste anzusprechen. "Und da der Herr auch nicht gegen andere Beförderungsbedingungen oder Vorschriften verstößt, können wir ihn nicht von der Fahrt ausschließen - auch der Exekutive sind die Hände gebunden." So viel zum Thema aggressive Bettelei.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige