Buch der Stunde

Fürchtet nicht den Tod, sondern das schlechte Leben!

Feuilleton | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 28/15 vom 08.07.2015

Robert Pfaller wurde spätestens mit seinem Buch "Wofür es sich zu leben lohnt" von 2011 zu einer Institution. Er musste ein Interview nach dem anderen geben, über Lust, über Glück, über Genuss, aber auch über Kunst, über die Arbeit und über Autos. Denn es herrscht Erklärungsbedarf: Wie kommt es zu der in westlichen Gesellschaften plötzlich so auffälligen "Verfinsterung in Bezug auf Genüsse"? Warum wird Gesundheit absolut gesetzt? Warum besteht Politik nur noch aus Verboten? Die Ursache dieser Phänomene ortet Pfaller in einem Verfall des öffentlichen Lebens, beginnend mit dem Authentizitätswahn der 1970er- und 1980er-Jahre, der eine Fortsetzung in der neoliberalen Zerstörung von Öffentlichkeit fand. Denn alle Genüsse und großen Glückserfahrungen, so Pfallers These, beruhen auf etwas Ungutem, Unverträglichem oder Unbrauchbarem, und wir brauchen andere, um sie genießen zu können.

Menschen werden willfährig und politisch wehrlos, wenn ihre Fähigkeit zum Genuss verlorengeht,


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