Einzelgänge

Starkoch Konstantin Filippou hat sein zweites Lokal, eine Weinbar, aufgemacht

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 28/15 vom 08.07.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Fotografen eines schwedischen Gourmetmagazins sind gerade da, Fool, es sei das beste Essmagazin der Welt, heißt es. Die werden mit Konstantin Filippou ein Kochbuch machen. Claudia Stöckl kommt auch soeben herein, Besprechung steht an, Filippou ist der nächste Promi in ihrer Frühstückssendung.

Der junge Grazer ist ein Star. Was wahrscheinlich nicht unmittelbar damit zusammenhängt, dass er gerade ein neues Lokal aufgemacht hat, sondern eher damit, dass er einer der besten Köche des Landes ist, kein Nachahmer und kein Nach-dem-Maul-Kocher. Der es bei Gault Millau schon nach eineinhalb Jahren mit seinem Gourmetrestaurant zu drei Hauben brachte, bei A la Carte zu 93 Punkten, einen Stern von Michelin gab’s auch.

Normalerweise heißt es in derartigen Situationen dann: Konsolidierung, Status halten, Energie einteilen. Womit bei blitzartig erfolgreich gewordenen Köchen eher nicht zu rechnen ist, ist, dass sie nach zwei Jahren gleich das nächste Lokal aufsperren. Und dann auch noch gleich ein gänzlich anderes.

Ist das Gourmetrestaurant nämlich in elegantem, kühl-reduziertem Design gehalten und von Liebe zum edlen Material geprägt, erweist sich das o boufés als völlig schlicht, die Wände abgekratzt, das Messing des Mobiliars sehr dezent eingesetzt.

Im Restaurant gibt es zwei Menüs, die man entweder vier- oder sechsgängig nehmen kann, bedingt flexibel und natürlich kostspielig. Ganz anders im neuen Buffet, da gibt’s insgesamt etwa ein Dutzend Gerichte, allesamt in Vorspeisen-Dimension und in der Preislage zwischen acht und 15 Euro, ein paar Hauptspeisen kosten etwas mehr, man nimmt, was, wann und wie oft man will.

Was Filippou und sein Team hier kochen, ist allerdings nichts weniger als grandios und wahrscheinlich das Beste, was man derzeit um diesen Preis bekommt: Fava, eine Platterbsencreme mit geröstetem Speck, zum Beispiel, sagenhaft gut (€ 9,–), oder rohe Makrele auf Karfiolcreme mit gebratenem Karfiol und gerösteten Pinienkernen. Himmel! (€ 13,–) Oder die wahrscheinlich beste, intensivste Minestrone, die ich je gegessen habe (€ 8,–), oder Goldbrassen-Ceviche auf Dill-Joghurt mit Radieschen – das ist so wahnsinnig gut, dass man das ohne Alkohol kaum aushält (€ 14,–).

Und apropos, da wird’s dann nämlich gleich noch einmal interessant: Es gibt hier nämlich nur sogenannte Natural Wines zu trinken, dafür dann aber gleich an die 300 und außerdem die besten aus Österreich, Frankreich, Italien und dem Karst. „Hipster-Weine“ könnte man sie geringschätzig nennen, tatsächlich sind diese möglichst naturbelassenen Weine von teils vergessenen Rebsorten und uralten Stöcken derzeit halt das, worum sich die Weinszene (zum Glück) dreht. Ein großartiges Lokal jedenfalls. Bin schon gespannt, was Filippou in zwei Jahren eröffnet.

Resümee:

Das zweite Lokal des Starkochs ist keine Gourmethütte, sondern eine Art Weinbar mit überaus großartigen Kleingerichten dazu.

o boufés,
1., Dominikanerbastei 17
Tel. 01/512 22 29-10
Mo–Fr 11.30–15, 17.30–24 Uhr
www.konstantinfilippou.com


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige