Urbanes Betragen

Benimmfibel für Großstadtmenschen (222)

Stadtleben | aus FALTER 28/15 vom 08.07.2015

Herr P. beobachtet, dass sich immer mehr Leute in Badegewand in Wiener Parks sonnen. "Ist das erlaubt?", fragt er, "gehören Badehose und Bikini nicht an den Strand und ins Schwimmbad?"

Tja, werter Herr P., die Zeiten, in denen in Wiener Parks nur flaniert und die Rasenflächen sehnsüchtig mit den Augen abgetastet werden durften, sind vorbei. Verboten ist auch die dort an heißen Tagen gerne zur Schau gestellte Halbnacktheit nicht - zumindest, solange man den nicht genauer definierten öffentlichen Anstand nicht verletzt (soll heißen, keine zur Schau gestellten Geschlechtsteile). Das würde dann immerhin 500 Euro kosten. Was stört Herrn P. und andere Wienerinnen und Wiener eigentlich an dem bissl mehr Haut im Park? Meist ist es das ästhetische Empfinden, das sich am Anblick des Durchschnittsbürgers stößt. Da hilft nur eines: brutale Abhärtung und Konfrontation, denn Wien ist nicht Hollywood.

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


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