Schnürt euch die Schuh'!

Politische Landschaft: Eine Erinnerungskultur-Tour-de-Force in Graz und im Salzkammergut

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 28/15 vom 08.07.2015

Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung Europas vom NS-Regime hat das Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark in Kooperation mit dem Netzwerk Salzkammergut ein großangelegtes Kunstprojekt am Start: "Politische Landschaft - Kunst Widerstand Salzkammergut". Nach einer Idee der Künstlerin Eva Grubinger, kuratiert von Elisabeth Fiedler und Dirck Möllmann vom Institut.

In der Zeit des Nationalsozialismus ging es im Ausseerland im steirischen Salzkammergut und in der Umgebung ziemlich turbulent zu - das unzugängliche Hochgebirge wurde einerseits Rückzugsort für partisanenartigen Widerstand, andererseits versteckten sich nach dem Untergang des Regimes auch Nationalsozialisten in den Bergen, teilweise lebten sie unerkannt in der Region. Es heißt zum Projekt: "Wie unter einem Brennglas kulminierten die Ereignisse bis zum Mai 1945 um Kunstraub, Verrat, aktiven und passiven Widerstand, Flucht und Mord."

Man muss sich "Politische Landschaft" als Erinnerungskultur-Update vorstellen: Schon im August vorigen Jahres haben sich Künstlerinnen und Kunsttheoretiker in einem Workshop in Bad Mitterndorf getroffen, danach absolvierten sie einen Forschungsaufenthalt im Toten Gebirge. Anhand ihrer künstlerischen Recherchen haben Clegg & Guttmann, Eva Grubinger, Florian Hüttner, Angelika Loderer, Susan Philipsz und Bojan Šarčević schließlich ihre Arbeiten entwickelt, und zwar solche, die im Rucksack zum Aufbauort getragen werden können. Zwar wird ein Teil der Arbeiten im Kunsthaus Graz gezeigt, darüber hinaus aber im Toten Gebirge bis 1600 Meter Seehöhe und im Ausseer Tal.

Drei Teile, drei Tage: Im Kunsthaus eröffnet am Freitag um 19 Uhr die Ausstellung, am Samstag zu Mittag starten in Altaussee beim Gemeindeamt Rundfahrten mit den Künstlerinnen und Künstlern, die Touren führen auch nach Bad Aussee und zum Toplitzsee. Am Sonntag geht es schon um zehn Uhr los, da wird von der Blaa-Alm aus das Tote Gebirge West in Angriff genommen, um vier der Arbeiten besichtigen zu können. Eine Herausforderung: Bergerfahrung und Wanderausrüstung sind erforderlich.

Am 18.7. gibt es Nachschlag: Eine weitere geführte Tour durch das Tote Gebirge findet statt, und Barbara Frischmuth wird sich im Literaturmuseum Altaussee bei einer Lesung von ihrer lebendigsten Seite zeigen. An diesen Tagen wird also nicht nur, wie Kurator Möllmann es formuliert, "die heutige Erinnerungskultur künstlerisch auf die Probe gestellt", sondern auch die Kondition aller Teilnehmer.

Kunsthaus ab Fr, bis 6.9.; Altaussee, Sa, So


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