Der Parteitag der Literatur Der Vorjahressieger des Bachmann-Preises über die wohltuenden Rituale des Klagenfurter Wettlesens

Feuilleton | Wahlbeobachter: Tex Rubinowitz/Klagenfurt | aus FALTER 28/15 vom 08.07.2015

Der Grund, warum wir uns in Ritualen so sehr wohlfühlen, ist wohl der, dass sie uns Entscheidungen abnehmen, sie uns die Gewissheit geben, dass das Geschehen genauso ablaufen wird, wie es uns bekannt ist. Uns den Regeln zu unterwerfen ist der einzige Kompromiss, dann kann die Maschine laufen.

Die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, der Bachmann-Preis, laufen nach so einem Ritual ab, und zwar seit 39 Jahren. Das fünftägige Ritual besteht aus lauter weiteren, kleinen Ritualen: Es ist altmodisch, es ist zäh, in Klagenfurt ist es heiß, wenn man ankommt und wenn man wieder abfährt, in der Bahnhofsstraße geht man am "Forum Flusskrebse" vorbei (Hausnummer 39), freut sich über das Logo, ein stilisierter Krebs.

Es gibt sieben Juroren und 14 Autoren, 30 Minuten wird gelesen, 30 Minuten wird geschimpft, gelobt, gestreichelt und gestaunt.

Der Saal ist immer voll, der Eintritt gratis. Der Bachmann-Preis ist eine Mikrodemokratie der Wörter, die das Publikum direkt erreichen, das


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