Meinesgleichen

Hilfe! Gewaltboulevard ergreift Bolschewikenblatt

Falter & Meinung | aus FALTER 28/15 vom 08.07.2015

Gewaltboulevard ergreift den Falter", klagte vor kurzem im Standard dessen emeritierter Leitartikler Gerfried Sperl in einer ergreifend schlecht geschriebenen Glosse. Anlass war das Titelblatt von Falter 27, auf dem die Protagonisten des Wiener Wahlkampfs im Stile eines Armin-Comics ironisiert werden: Michael Häupl mit einer brenartigen Waffe (keiner Kalaschnikow, wie Sperl behauptet), Maria Vassilakou mit Bajonett und Heinz-Christian Strache mit einem Vorschlaghammer, der einerseits auf "Schwerter zu Pflugscharen" anspielt, andererseits auf das bekannte Hackl ins Kreuz seiner beiden Kontrahenten.

Der sonst so mediensensible Falter habe mit dieser Titelgrafik "gewaltig danebengegriffen". Entweder gehe es der Zeitung schlecht, "weshalb sie aus dem letzten Loch schießt", oder sie habe nicht verstanden, dass man seit dem IS-Terror von Gewaltdarstellungen abzusehen habe. Stimmt. Auch die katholische Kirche hat sämtliche Kreuzigungsdarstellungen aus dem Verkehr gezogen. Die Spatzen schießen es von den Dächern: Dem Falter geht es schlecht. So dumme Kritik hat er nämlich nicht verdient. Auch in historisch dunklen Zeiten, vor 19 Jahren, fünf Jahre nach Operation Desert Storm, griff der Falter ähnlich daneben. Das Cover zeigte ein gewalttätiges U-Boot, und die Zeile zum Wiener Wahlkampf lautete: "Jagd auf Roter Oktober". Gerfried Sperl, damals Chefredakteur des Standard, fand die Zuspitzung keiner Erwähnung wert. Die Invektive "Bolschewikenblattl" wäre übrigens noch frei.


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