Kunst Kritik

Highlights aus einem Vierteljahrhundert

Lexikon | NS | aus FALTER 28/15 vom 08.07.2015

Vor 25 Jahren eröffnete Christine König gemeinsam mit Franziska Lettner ihre Galerie im ersten Bezirk, 1999 erfolgte der Umzug in die Schleifmühlgasse. Die international besetzte Künstlerliste umfasste von Anfang an auch Positionen dezidiert politischer Kunst. Zum Jubiläum zeigt die Christine König Galerie nun die Schau "Revue 25" mit Auszügen aus ihrem Programm.

Schön macht sich Anne Schneiders rosaroter "Birthday Table" von 2001 zu diesem Anlass. Aus Wachs hat die Künstlerin amorphe Gebilde geknetet , die Assoziationen zu Geschenken ebenso wie zu Geschlechtsorganen auslösen. Morbide Festtagslaune verströmt hingegen Jürgen Tellers großformatig entwickeltes Foto eines - scheinbar kranken -Mannes im Bett, über dem unzählige Luftballone schweben. Der Titel "Cerith" weist den Weg zum Shooting mit dem Künstler Cerith Wyn Evans, das der deutsche Fotograf 2011 für die Herrenkollektion von Modedesigner Marc Jacobs produziert hat. Anlass für Jubel, allerdings nur hinter geschlossenen Türen, gab der Tod von Mao Tse-tung 1976. Der US-Maler Leon Golub, der sich in seiner realistischen Malerei viel mit den politischen Verbrechen des 20. Jahrhunderts beschäftigt hat, hielt den Kopf des kommunistischen Führers auf ungrundierter Leinwand so fest, wie er im gläsernen Sarg ausgesehen hat.

Gerhard Rühm und Pierre Klossowski sind die Dichter im Galerieprogramm; von Letzterem ist eine homoerotische Zeichnung aus dem Jahr 1984 zu sehen, die den Philosophen Sokrates zwischen den Beinen seines jugendlichen Schüler Charmides zeigt. Heftig zur Sache geht es in "Porn Video", mit dem das feministische Künstlerinnenduo Anetta Mona Chisa und Lucia Tkácová normal angezogen das endlose Gerammel einschlägiger Filme aufs Korn nimmt. Nur weiter so - wir gratulieren!

Christine König Galerie; bis 30.8.


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