Gefahr im Verzug

Der Fall des Amokfahrers zeigt: Es hängt immer noch vom Zufall ab, wie gut Frauen vor gewalttätigen Partnern geschützt werden

Recherche: Donja Noormofodi, Gerlinde Pölsler | Steiermark | aus FALTER 28/15 vom 08.07.2015


Foto: Donja Noormofidi

Foto: Donja Noormofidi

Elena ist fast noch ein Mädchen, als sie übers Internet Alen R. kennenlernt, zuerst wirkt der junge Mann liebevoll, sie heiratet ihn, zieht zu ihm nach Österreich. Doch schon im ersten Jahr zeigt Alen R., der Amokfahrer von Graz, sein wahres Gesicht. In dem Haus, das idyllisch am Murradweg gelegen ist, habe er sie vier Jahre lang jeden Tag geschlagen und getreten, auch in der Schwangerschaft, sagt die heute 22-Jährige im Gespräch mit dem ORF. Er habe ihr den Pass weggenommen und sie praktisch eingesperrt.

Am 28. Mai eskaliert die Situation: „Ich bin an der Treppe gestanden, er hat mich in den Rücken getreten. Er hat mich an den Haaren gerissen, er hat mich getreten, geschlagen.“ Doch diesmal gelingt es Elena R., per Handy ihre Mutter zu alarmieren, diese verständigt die Polizei. Elena R. bittet darum, mitgenommen zu werden, weil sie auch vor den Schwiegereltern Angst habe. Als sie und ihre Kinder, ein Einjähriger und ein Baby, im Frauenhaus ankommen, hat Elena R. Würgemale am Hals. Alen R. ist bei der Wegweisung völlig ruhig und sagt, er wolle sich sowieso scheiden lassen.

Ähnlich ruhig wirkt er wenige Wochen später, am Samstag, dem 20. Juni, nachdem er mit seinem Geländewagen in der Grazer Innenstadt gezielt Menschen niedergefahren hat – drei von ihnen sind gestorben, 36 wurden teils schwer verletzt. In der Schmiedgasse, nahe der Polizeistation, verringert Alen R. plötzlich das Tempo und lässt sich widerstandslos festnehmen.

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