"Nur wenn ich schreibe, habe ich keine Angst"

Als der erste Tschetschenienkrieg ausbricht, ist Polina Scherebzowa neun Jahre alt. Ihr Tagebuch ist ein berührendes Stück Zeitgeschichte


REZENSION: JULIA KOSPACH
Politik | aus FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Es beginnt, wie jedes Tagebuch einer Volksschülerin beginnen könnte: "Sei gegrüßt, Tagebuch! Ich lebe in der Stadt Grosny, in der Zawjety-Iljitscha-Straße. Ich heiße Polina Scherebzowa. Ich bin neun Jahre alt." Es ist der 25. März 1994. Der Ausbruch des ersten Tschetschenienkrieges ist nur mehr ein paar Monate entfernt. Noch liest die kleine Polina die "Drei Musketiere", ärgert sich über eine Schulfreundin, die ihr ein Aufkleberalbum nicht zurückgibt, und hält eine Ameise in einem Glas, weil sie gehört hat, "das Ameisen prachtvolle Städte bauen".

Nur kurze Zeit später kreisen Hubschrauber und Flugzeuge über Grosny. Bomben fallen, auf den Straßen wird geschossen, Tag und Nacht hört Polina Gefechtslärm. Krieg, Todesangst und Not kommen über die Stadt, fahren den Menschen in die Glieder und hebeln jede Ordnung aus. Polina, einzige Tochter einer Russin und eines inzwischen verstorbenen Tschetschenen, wird in diesem schmutzigen Konflikt, dessen Hintergründe sie nicht versteht,

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