Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Zerschlagen!

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Die Mediaprint war ein bestimmendes Thema dieser Ausgabe; beziehungsweise die Rolle des Hans Dichand darin. Da war wieder diese Anzeige, die ein "Text-Shirt" anpries, mit dem Autor als Model und der Zeile "Im Übrigen glaube ich, die Mediaprint muss zerschlagen werden" als Star.

Die Kolumne "Seinesgleichen geschieht" beschäftigte sich -wie konnte es anders sein -mit dem 50. Jubiläum dieses Satzes: "Ich gebe zu, mit keinem anderen meiner Sätze hatte ich so großen Erfolg wie mit diesem. Wildfremde Menschen klopfen mir auf der Straße auf die Schulter, Bekannte verabschieden sich von mir mit der Zusicherung, sie glaubten es auch. Unbekannte beteuern in Briefen, die Phrase nachahmend, sie seien übrigens ebenfalls der Ansicht, dies oder jenes müsse zerschlagen werden." So viel Zerschlagungslust! Dabei war es nicht krawallmäßig, sondern kartellrechtlich gemeint.

Im Blattinneren brachte der Falter einen großen Text von Erhard Busek, der soeben als Parteiobmann der ÖVP zurückgetreten war und bekanntgab, sich aus der Innenund Parteipolitik zurückzuziehen.

"Jagdszenen im Blätterwald" lautete der Titel, unter dem Busek zehn Momentaufnahmen auflistete, zum Beispiel: Als Helmut Zilk Wiener Bürgermeister wurde, sagte der Chef der Krone zu Busek, nun hätte er bei der Krone keine Chance mehr, denn "der Helmut is a Freund". Oder: "Den Chefredakteur und Miteigentümer eines kleinen Blattes mit großer Auflage störte, dass ein blitzgescheiter Anwalt nicht nur Abgeordneter, Obmann des Justizausschusses und Justizsprecher seiner Partei war, sondern auch der Anwalt eines Konkurrenzblattes und Exfreundes. Bei einem Mittagessen im Corso wurde ungeschminkt verlangt, dass besagter Abgeordneter sein Mandat niederlegen sollte, sonst sei man ,kein Freund', die Gefahr bestünde darin, dass der Justizsprecher eine Mediengesetzgebung mitgestalte, die für den Konkurrenten günstig sei." Ein Kollege riet Busek, sich doch mit Dichand zu arrangieren. Dessen Antwort: "Nein. Ich kann zwar in keine Zeitung mehr schauen, aber in den Spiegel!"


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