Film Neu im Kino

Geriator ohne Genierer: "Terminator: Genisys"

Lexikon | DR. ROBOTNIK | aus FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Nach Jahren als Gouverneur und einigen Retro-Action-Vehikeln ist Arnold Schwarzenegger wieder als Terminator verfügbar -ein Umstand, aus dem die Macher des fünften Films (Regie: Alan Taylor) einiges herauszuholen bemüht sind. So sehen wir Arnie im Kampf mit sich selbst: der böse 1984er-Mittelscheitel-Ur-Terminator, digital reanimiert, gegen den zum Beschützer umprogrammierten Terminator aus Teil 2 (1991). Hinzu kommen der ergraute Terminator der Gegenwart und der zum Adoptiv-"Pops" ernannte Schutzengel-Terminator eines kleinen Mädchens in 1970er-Rückblenden. Überhaupt wird das Entsenden von Mentoren und Zeitkontinuumsklempnern in diverse Vergangenheiten und Doch-nicht-Zukünfte zur Manie und die Zeit(schleifen)maschine zum Universal-Tool.

Gute Ansätze sind da, etwa die anfängliche Rückkehr zum Kaputtnikurbanismus eines Neo-noir-B-Movie (der dem Postapokalyptik-Geböller von Teil 4 abging). Die Cheesiness in Ausstattung und Retro-Action wird freudig ausgestellt, und das Noir-typische Festlaufen von Handlung und Bewusstsein in Schlingen der Zeit findet zu einer prägnanten Form: Nicht nur wird (wie üblich) aus dem Motiv-und Oneliner-Inventar des Gründungsfilms rezitiert; man stellt ganze Szenen aus dem 84er-Film werk-und materialtreu nach.

Neu sind Screwball-Anflüge: Das Trio Kyle Reese, Sarah Connor und Titelheld, der gezwungen zu grinsen gelernt hat, wirkt wie "Meine Braut, ihr Terminator-Vater und ich"; zum Schwiegerpapa-Zank läuft "I Wanna Be Sedated" der Ramones. Jai Courtney, Emilia Clarke und Jason Clarke haben schöne Lippen, J.K. Simmons halblustige Auftritte. "Terminator: Genisys" hat ein Längenproblem, starken Hang zur Melancholie, viel Dialog und zu wenig durchschlagende Effekte. Die Bühnenversion wird besser.

Bereits in den Kinos (OF im Haydn und Apollo)


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