Stadtrand Urbanismuskolumne

Selbsterfüllende Vorurteile

Stadtleben | aus FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Durch Wiens Innenstadt schieben sich seit Wochen die alljährlichen Sommertouristenkolonnen: schwitzende amerikanische Pensionisten in Indiana-Jones-Uniformen, indifferente Japaner, die sich die Stadt vor allem durch die Linse ihrer Tablets anschauen und denen selbst die ärgste Hitze keine einzige Schweißperle auf die Alabasterhaut treibt, und euphorische Jungeltern aus Indien mit ihren maßlos gelangweilten Kindern im Schlepptau. Alles wie immer.

Auch wie immer sind die langen Schlangen vor den 08/15-Attraktionen: Vor dem Figlmüller in der Wollzeile etwa steht man sich die Füße in den Bauch, um ein Schnitzel zu kosten, vor der Ankeruhr am Hohen Markt sammeln sich jeden Tag zu Mittag Trauben von Touris, um einer faden Parade von Kupferfiguren beizuwohnen, und auch die Busse nach Grinzing sind allabendlich bummvoll. Komisch doch, dass Wien sich so wenig vom eigenen Klischee lösen und Alt mit Neu verbinden kann. Kein Wunder also, dass in Ganzweitfortistan immer noch so viele glauben, wir Wiener würden mit gepuderten Perücken in Pferdekutschen herumfahren.


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