Ermittlungen gegen die Liebe

Besser als Drehbücher: Wieder einmal wagt sich ein Regisseur an eine Krimivorlage von Georges Simenon

Feuilleton | ANALYSE: MICHAEL OMASTA | aus FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Immer ist das Verbrechen schon passiert. In den Romanen von Georges Simenon gibt es so gut wie nie Gewaltszenen, stets liegt bereits die Leiche da. In "Das blaue Zimmer" dreht sich die junge Frau auf dem zerwühlten Bett noch einmal um und gibt dabei einen flüchtigen Blick zwischen ihre Schenkel preis. Auch hier, im blauen Zimmer eines kleinen Hotels in der französischen Provinz, ist das "Verbrechen" quasi schon passiert. Doch natürlich wird der Ehebruch von Tony und Andrée auch noch das eine oder andere Kapitalverbrechen zur Folge haben.

"Das blaue Zimmer" erschien 1964, im gleichen Jahr, als Simenon von seiner zweiten Ehefrau geschieden wurde und sich der noch von ihr eingestellten italienischen Haushälterin zuwandte. Eine ganze Reihe französischer Filmemacher, unter ihnen Claude Chabrol und André Téchiné, hat sich im Lauf der Zeit an diesem Roman versucht, ohne dass je ein Film zustandekam. Dabei, so Maurice Pialat, der gleichfalls daran scheiterte, "müsste man doch nur seine


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige