Kommentar Bildung

Flüchtlingsklassen in Schulen: Das Beste für die Integration

Falter & Meinung | NINA HORACZEK | aus FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Es klingt auf den ersten Blick furchtbar: Wien wird ab Herbst eigene "Flüchtlingsklassen" an den öffentlichen Schulen einführen.

In der momentanen Situation sind solche Klassen, oder "Kurse", wie es der Stadtschulrat nennt, trotzdem das Beste, was für die Integration der zahlreichen Flüchtlingskinder gemacht werden kann. Sie sollen ab Herbst an Wiener Schulstandorten intensiv in Deutsch unterrichtet werden. Gleichzeitig sollen sie Fächer wie Turnen, Zeichnen oder Musik, die auch ohne ausreichende Deutschkenntnisse funktionieren können, gemeinsam mit den deutschsprachigen Schülerinnen und Schülern besuchen und so auch gleich erste Freundschaften knüpfen können.

Nach spätestens einem Jahr sollen die Kinder so weit Deutsch gelernt haben, dass sie fit genug für den Regelunterricht sind. Im Idealfall wird so eine neue Generation aus Kriegsregionen wie Syrien und dem Irak sanft in ihre neue Heimat integriert.

Das wird so hoffentlich bei den Kindern und Jugendlichen klappen, die noch schulpflichtig sind. Sehr viele junge Flüchtlinge, die sich ganz allein bis nach Österreich durchschlagen, sind aber bereits knapp der Schulpflicht entwachsen. Sie sind 15,16 Jahre alt, bräuchten auch dringend einen Deutschkurs und eine Perspektive, hängen aber stattdessen im alles andere als kinder-und jugendgerechten Flüchtlingslager Traiskirchen fest. Für sie fehlt es an Plätzen, an einem Deutsch-und Bildungsprogramm.

Auch diese Jugendlichen werden in Österreich bleiben. In ihre Heimat, in den Krieg können sie nicht zurückgeschickt werden. Werden sie nicht jetzt mit Bildungsangeboten empfangen, züchten wir uns heute das Arbeitslosenheer von morgen. F


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