Die zweite liga für kunst und kultur macht Musical - und bleibt sich doch treu

Steiermark | THEATERKRITIK: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Dem Kunstraum Graz hat sich die zweite liga für kunst und kultur längst eingeschrieben. Mit Konsequenz behaupten sich Barbara Kramer, Vera Hagemann, Christina Lederhaas, Klaus Meßner und Johannes Schrettle als Kollektiv, das nicht nur ziemlich verschiedene Zugänge zur Performance hochhält, sondern auch ein Text-und Reflexionsniveau, das im weiten Feld kollektiver Stückentwicklungen Seltenheitswert hat.

Nun sind sie ausgezogen, um mit dem weststeirischen Niemandsland auch gleich das Musical und die sommerliche Unterhaltungskultur zu erobern. "Das Alex-Prinzip" nennt sich der musikalische Schwank: "Tanz, Musik & Komödie gegen die Angst", zu erleben am Probsthof bei Hitzendorf. Johannes Schrettle hat die Erschreibung der Welt dieses Mal unter das Motto "flotter Wortwitz" gestellt, die Darsteller spielen Darsteller, die spielen - auch auf Pointen hin. Und in der Kollaboration mit Titus Probst wird das, was man von Robert Lepenik als Theatermusik kennt, um Songs aus der Neigungs-oder Selbsthilfegruppe ironischer Schlager erweitert.

Der Hinwendung zu Formaten der kommerziellen Massenkultur entspricht auch das Thema: Das titelgebende "Alex-Prinzip" ist eine sektenartige Seminarveranstaltung gegen die Angst. Die Faszination des Stücks liegt nicht zuletzt darin, wie gekonnt die "liga" komödiantische Formen adaptiert, ohne dabei auf wesentliche Elemente der eigenen Kunst zu verzichten: Auch in Hitzendorf ist ihr Theater kritische Reflexion der eigenen theatralen Mittel und eine Plattform für kritischen gesellschaftspolitischen Diskurs. So geht Sommer! F Hitzendorf, Probsthof, Fr, Sa 20.00


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