Kunst Kritik

Über den Wolken ist die Kunst so frei

Lexikon | NS | aus FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Die Form lässt an ein Luftschiff denken. Wer in Tomás Saracenos überdimensionale Installation "Museo Aero Solar" aus Plastiksackerln klettert, fühlt sich auch trotz Bodenhaftung irgendwie abgehoben. Bei früheren Ausstellungen flog der Megaballon hinauf; in Wien war das als Höhepunkt zum Sommerfest des 21er Hauses angekündigt, fand aber nicht statt.

Bei der raumfüllenden Arbeit handelt es sich um ein Work in Progress, das der Künstler das erste Mal in Italien realisierte. Dass auch Kinder mitgemacht haben, wird an den Zeichnungen auf manchen der von Logos geprägten Plastikfolien deutlich. Wer nicht zu den Basteltischen im Museum kommt, der kann sich auch im Internet an Saracenos Open-Source-Projekt beteiligen.

Seit Jahren schon strebt die Kunst des geborenen Argentiniers und studierten Architekten in die Luft. Im 21er Haus fliegt zwar leider keine der fünf gezeigten Leichter-als-Luft-Skulpturen, aber man kann sich gut vorstellen, wie sie abheben. Die ultraleichten Plastiken lassen auch an die utopischen Architekturentwürfe von Hans Hollein oder Haus-Rucker-Co um 1968 denken. Im Gegensatz zur gesellschaftskritischen Haltung von damals wirken Saracenos Raumblasen zahm, und auch der partizipatorische Ansatz hat eher Unterhaltungscharakter.

Der als ökologisch engagiert auftretende Künstler, der schon viele Biennalen mit aufsehenerregenden Installationen versorgt hat, meint es durchaus ernst mit dem visionären Anspruch seiner Solarskulpturen, aber sie verströmen eher spektakuläres Flair, und auf Fragen zum Treibhauseffekt drängt dort wenig. Auch das Lastenfahrrad, mit dem die aerosolaren Objekte befördert und mittels Pedaltreten aufgebläht werden können, muss im Museum bleiben.

21er Haus; bis 30.8.


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