Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Weißbier

Über die Liebe zur obergärigen Hefe

Stadtleben | MS | aus FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Ein Besuch in einem Münchner Getränkefachmarkt kann zur Herausforderung werden, zumindest was die Wahl des richtigen Weißbiers betrifft. Um Paulaner drückt man sich herum, ist es doch das Bier eines der größten Hersteller und gerade nicht von Interesse. Große Hoffnung hat man auf Hacker-Pschorr gesetzt, was aber leider gar nicht geht, weil zu süß. Das eher schmucklose Weißbier vom Kloster Andechs schmeckt so, wie es ausschaut.

Mit Franziskaner liegt man nicht verkehrt, und mit Erdinger Urweisse, dem jüngsten Update der bestehenden Weißbierversion, kommt man der guten Sache schon näher. Weißbier aus dem Hause Unertl ist das Richtige: Es zählt zu den Klassikern bayerischen Brauens. Was hat es aber mit Weißbier auf sich? Bei Weiß-oder Weizenbier kommt, wie der Name schon sagt, vorwiegend Weizen zum Einsatz. Da bei der "obergärigen Hefe" kaum Technik notwendig ist, gilt es als eine der ältesten Brauformen. Obergärig heißt, dass die Hefepartikel während des Brauvorganges als Schaum an die Oberfläche steigen und dort abgeschöpft werden -im Unterschied zum aufwendigen "untergärigen Bier", bei dem die Hefe aufgrund ihrer Struktur zu Boden sinkt.

Circa 80 Prozent aller Biere werden "untergärig" gebraut. Kohlensäure ist beim Weißbier reichlich vorhanden. Gehopft wird allerdings wenig, was den Craft-Bier-Liebhabern ein Dorn im Auge sein dürfte. Weißbier ist gewöhnungsbedürftig, wenn man aber Gefallen an der Idee Weißwurstfrühstück findet, dann kommt die Liebe mit einer gewissen Natürlichkeit.


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