Film Neu im Kino

Großes Talent, große Tragödie: "Amy"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Im Juli 2011 starb die englische Sängerin Amy Winehouse 27-jährig an einer Alkoholvergiftung. Jahre der Drogensucht und skandalträchtige Fotos und Videos in den Medien gingen ihrem Tod voraus. Wie sehr diese das Bild der Künstlerin prägten, macht Asif Kapadias Dokumentarfilm "Amy: The Girl behind the Name" deutlich: Man ist überrascht, wie witzig, schlagfertig und unbeschwert Amy Winehouse einmal war. Etwa zu Beginn, wenn sie als Halbwüchsige ein "Happy Birthday" schmettert.

Dem Homevideo folgen unzählige Privataufnahmen und Interviewpassagen, Winehouse' Karriere kommt in Fahrt. Die vielen Auftrittsmitschnitte sind untertitelt, um die Songtexte - stets hoch persönliche Einblicke in Amys Leben -in den Mittelpunkt zu rücken. In den Erinnerungen und Einschätzungen von Freunden und Musikerkollegen wird Winehouse als schwer zu fassende Persönlichkeit erkennbar - und es umso mehr bleiben, je extremer ihr Lebenslauf sich entwickelt.

Neben Alkoholmissbrauch und Bulimie thematisiert der Film insbesondere den schlechten Einfluss zweier Männer: ihres Vaters und ihres Ehemanns, der sie an harte Drogen heranführte. Zwischen Rausch und Ruhm mit all seinen Schattenseiten setzt sich ein bedrückender Strudel in Gang. Nicht zuletzt ist "Amy" auch ein Film über Sucht, der das Publikum mit vielen Fragen zurücklässt.

Aber Kapadias schafft es ebenso, Winehouse' Talent zu preisen. Während des ganzen Films ist er bemüht, die Sängerin im Bild zu haben. Einerseits führt dies zwar zum Fehlen der nonverbalen Kommunikation, da die Interviewpartner - auch auf eigenen Wunsch - fast ausschließlich zu hören sind. Andererseits verleiht es Winehouse eine zweistündige, immense Präsenz. Und ihrem frühen Tod eine neue, große Bitternis.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Gartenbaukino)


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