Kolumne Außenpolitik

Griechenland: Nationalistisches Pathos statt linker Diskurs

Falter & Meinung | FRANZ KÖSSLER | aus FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Die Debatte über Griechenland verläuft so polarisiert, dass Zwischentöne keinen Platz haben. Man steht entweder auf der Seite der griechischen Regierung im Kampf gegen Merkels Diktat oder auf der Seite einer neoliberalen Politik, die an den Griechen ein Exempel statuieren will. Wer sich als Linker versteht, sich eine soziale EU wünscht, das Spardogma kritisiert und dennoch an die übernationale Kraft Europas durch Konsens und Kompromiss glaubt, gerät zwischen die Fronten. Deshalb heute eine sehr persönliche Kolumne.

Die Leichtigkeit, mit der Populismus und Nationalismus unter linken Vorzeichen von der europäischen Linken akzeptiert werden, ist besorgniserregend. Ich bin als Südtiroler in einem Staat aufgewachsen, der zu den Gründern der Europäischen Gemeinschaft zählt. In der Schule haben wir die italienische Verfassung gelernt, die aus dem Widerstand gegen die deutsche Besatzung hervorgegangen ist, und die Gründungsverträge der EWG, die auf der Aussöhnung der ehemaligen Feinde


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige