Der Beach Boy der Bildmontage

Tiroler Klötzler, kalifornische Dämonen: Hans Weigands Zeichenflut im 21er Haus

Feuilleton | KRITIK: NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 29/15 vom 15.07.2015

Er hat einen Berg verewigt, und wurde doch als Wassermaler berühmt. Als der Japaner Hokusai 1830 den Farbholzschnitt "Die große Welle vor Kanagawa" produzierte, war dieser Teil seiner Serie zum Vulkan Fuji. In der aktuellen Schau "Surfing" von Hans Weigand ist es fast unmöglich, nicht an Hokusais Klassiker zu denken. Auf einem guten Drittel seiner Bilder wogen und brechen steil aufgetürmte Wassermassen. Dabei spritzt die Gischt, und Farbschlieren rinnen über die knackigen Boys, die der Künstler aus Kupferstichen des 16. Jahrhunderts oder aus Marvel-Comics gesampelt hat.

Nun ist der geborene Tiroler, der in Wien 1978 seinen Anker geworfen hat, nicht gerade für seine Malerei bekannt. Man begegnete ihm öfter in der Rockerpose, die er als E-Gitarrist mit Künstlerbands wie Pas Paravant einnahm. Weigand mag in dieser Schau als Maler rüberkommen, aber in Wahrheit ist er ein passionierter Bildmonteur, den das Original weniger fesselt als die Verfahren von Vervielfältigung aus seinen Archivbeständen.


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