Kleine Oasen für kleine Menschen

Seit fast 100 Jahren gibt es in Wien Familienbäder. Ihre Rolle hat sich im Laufe der Zeit aber gravierend verändert

Stadtleben | BADBESUCH: TOBIAS SCHMITZBERGER | aus FALTER 30/15 vom 22.07.2015

Irgendetwas ist hier versteckt. Geht man an einem sonnigen Vormittag im Währinger Park im 18. Bezirk spazieren, hört man plötzlich Kindergejohle. Laut, vergnügt, unverkennbar. Zwar sind einige Kinder im Park, der Trubel hat aber eine andere Quelle: das Familienbad, das sich verborgen hinter Bäumen am Rande des Parks befindet.

Die blassgelben Wände sind unscheinbar, die rote Schrift "Kinderfreibad der Stadt Wien" verdeckt ein Strauch. Emsig gehen zwei Buben und ein Mädchen durch die offene Gittertür. Ohne Begleitung. Denn für Erwachsene ist dieses Familienbad eigentlich nicht da. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts suchten Rachitis und diverse Lungenkrankheiten die Wiener Bevölkerung heim - auch Kinder. Um dem vorzubeugen, errichtete die Stadt Wien "Kinderfreibäder", die die Hygiene der Jugendlichen verbessern sollten.

Ab 1917 baute die Stadt mehrere dieser Anlagen. Großstadtkinder von sechs bis 14 Jahren konnten hier gratis baden. Heutzutage dürfen auch Kleinkinder in die "Familienbäder",


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