Kunst Kritik

Mit weißem Fuchs im schicken Schaufenster

Lexikon | NS | aus FALTER 30/15 vom 22.07.2015

Was haben vertrocknete Papageienblumen und Buntpapier an Glasscheiben mit dem Architekten, Designer und Bühnenbildner Friedrich Kiesler zu tun? Die von der Decke hängenden Pflanzenskulpturen des Künstlers Luca Trevisani verbreiten ebenso viel Stimmung wie die vielfarbige Installation von Charlotte Moth, die derzeit die Fenster der Kunsthalle Wien am Karlsplatz verdunkelt. Die schicke Schau "Function Follows Vision, Vision Follows Reality" versammelt zeitgenössische Arbeiten, die sich entweder irgendwie auf Kiesler beziehen oder vage beziehen lassen.

Beim Betreten trifft man gleich auf Originalzeichnungen und Entwürfe, die der Designer in den 1940er-Jahren etwa für Ausstellungsgestaltungen oder als Buchillustrationen produziert hat. Kiesler hatte keine Berührungsängste mit der Mode, und so gestaltete er 1928 die Schaufenster des New Yorker Kaufhauses Saks. Fotos dieser exzentrischen Auslagengestaltungen wurden für die jetzige Schau als Wandtapeten reproduziert, und darauf hängen Stillleben der deutschen Künstlerin Annette Kelm, die ebenfalls ein lockerer Bezug zur Mode auszeichnet.

Der Komponist Morton Feldman war mit Kiesler befreundet -schon Grund genug, seine minimalistischen Notationen zu zeigen. Linien in Form von Fäden ziehen sich durch Leonor Antunes' Film "String Travel", der auf Kieslers legendäres Ausstellungsdisplay für "Art of this Century" referiert. Eine theatralische Wirkung erzielt die deutsche Künstlerin Nicole Wermers mit drei weißen Vintage-Pelzjacken, die sie auf Stahlrohrsessel von Marcel Breuer hängt. Sie wirken als ironischer Kontrapunkt zum gut gekühlten Ausstellungsraum und bringen die glamouröse Saite des Modernismus zum Schwingen, auf der auch der Freund von Peggy Guggenheim zu spielen wusste.

Kunsthalle Karlsplatz; bis 1.8.


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