Edu statt Eber

Ein altes Gasthaus wurde zu einem neuen, guten Gasthaus

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 30/15 vom 22.07.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Der Quell, erklärt Edi Peregi, war immer der alternativere, dort gehen die Künstler hin, dort spielte der Ostbahn-Kurti. Das Eberhardt bediente das gesellschaftliche Gegenmodell. Den Quell übernahm der Edi Peregi dank Vermittlung durch den unvergessenen Gourmetkritiker, Gastrosophen und Kochbuchautor Christoph Wagner (der in diesem archetypischen Gasthaus Stammgast war) vor elf Jahren, was nicht leicht gewesen sei, erinnert sich Peregi, „weil der Poldi Quell war einfach der Poldi Quell“. Das Lokal wurde jedenfalls zum Fokus des Reindorf- und Schwendermarkt-Viertels, das so ein Lokal auch sehr gut brauchen konnte, schließlich waren in den vergangenen fünf Jahren viele Studenten, Kreative und sonst wie Junge hergezogen.

Es zogen allerdings auch viele Studenten, Kreative und sonst wie Junge in das Grätzel auf der anderen Seite der Sechshauserstraße – und dort gab es nur den Eberhardt, der allerdings auch schon seit sieben Jahren zu war. Ein Fall für Edi Peregi. Schließlich wohnt er hier und wusste daher, dass das Grätzel noch gewisse Bedürfnisse habe, Frühstück, zum Beispiel – und so übernahm er auch das Eberhardt.

Es sollte aber eben kein Quell II sein, sondern was anderes. Also wurde ein bisschen auf Brasserie gemacht, mit offener Küche und verfliester Schank, ein bisschen auf Café und schließlich auf Style mit 60er-Jahre-Sesseln und einer hölzernen Wandverkleidung, die man als Interpretation der typischen Wiener Gasthauslambris sehen kann, wenn man das will. Ein riesiges Lokal, das nicht determiniert, sich nicht in den Vordergrund spielt.

Ähnlich unprätentiös hält Edi Peregi das auch mit der Karte, die sich auch so gar nicht festlegt. Okay, ein paar Positionen entsprechen halt absolut den derzeit gängigen Musts, also etwa das Frühstück mit den diversen Features (allerdings ohne irgendwelchen schnöseligen Eggs Benedict und grüne Power-Smoothies), Cheeseburger, Sandwich mit Pulled Pork und Black-Reuben-Sandwich mit Pastrami – okay, das gibt’s gerade wohl nicht von ungefähr überall, das wollen die Leute offenbar.

Die Gazpacho war jedenfalls großartig, cremig, paradeisig-fruchtig, definitiv sehr viel besser, als ich’s selbst je hinbekommen hab (€ 4,40), bei Burrata mit Pesto, Cocktailparadeisern und Rucola kann man kaum was falsch machen, die Größe der Portion war allerdings erstaunlich (€ 9,50). Die frittierten Sardellen, im Metallkörbchen auf Küchenkrepp serviert, werden wohl der Renner hier, sind auch wirklich sehr gut (€ 6,90), am Black-Reuben-Sandwich muss das Eduard-Team vielleicht noch ein bisschen arbeiten – und das Pastrami konkret dicker schneiden und mehr davon zwischen das getoastete Roggenbrot klemmen (€ 7,90). Die Weine sind günstig und es gibt sowohl Augustiner Lager aus der Flasche als auch Cerna Hora offen. Nach nur einer Woche war das Lokal jedenfalls voll.

Resümee:

Sechshaus hat ein neues Stammlokal – in dem man unprätentiös sitzen, gut Weltküche essen und edles Bier trinken kann.

Eduard
15., Sparkassapl. 1
Tel. 01/892 29 78
Mo–Sa 9–24, So 9.30–17 Uhr
www.das-eduard.wien


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