Neue Bücher Entlarvendes über Spiegelneuronen und Alzheimer

Feuilleton | SK | aus FALTER 30/15 vom 22.07.2015

Die Gehirne von Affen aktivieren handlungsbezogene Neuronen, wenn sie nicht selbst agieren, sondern nur beobachten. Die italienische Forschergruppe, die das 1988 zufällig bemerkte, glaubte, ein Netzwerk entdeckt zu haben, das dafür verantwortlich sei, dass Tiere sich in andere Wesen hineinversetzen können. Das Nachvollziehen der Absichten und Handlungen des anderen würde damit zur Basis des Verstehens. Die sogenannten Spiegelneuronen machten Furore, bald sollten damit Nachahmung, Sozialverhalten, verbale Kommunikation, sogar Wertschätzung von Kunst "erklärt" werden.

Gregory Hickok widerspricht ganz grundlegend. Sein Buch ist ein Musterbeispiel allgemeinverständlich aufbereiteter wissenschaftlicher Sensibilität im Umgang mit kognitiven Phänomenen. Und nebenbei wird der Leser noch bestens instruiert über neuere Theorien der Wahrnehmungen und der Sprachverarbeitung. SK

Ein so sensationshungriges Buch würde man für gewöhnlich nicht beachten. Doch "Die Alzheimer-Lüge" ist zwar eine überambitionierte und mit einer Lebens-und Gesundheitslehre überformte, davon abgesehen aber umso wichtigere Bilanz vieler Jahre Praxis in Klinik und Forschung. Hunderte Studien werden mit Sinn für Methodenprobleme aufgearbeitet, um zu belegen, dass Alzheimer in der Regel kein genetisch bedingtes Schicksal ist, sondern eine Zivilisationserkrankung.

Die Schlüsselrolle spielt jener winzige Teil des Gehirns, der zuständig ist für die Transformation von Kurzzeitgedächtnisinhalten ins Langzeitgedächtnis, aus dem sich unser Selbst formt. Dieses Organ ist sehr dynamisch, es wächst und schrumpft je nach Anforderung und seine Neuronen erneuern sich (langsam), weshalb es mit einer Vielzahl biochemischer Körpervorgänge zusammenhängt, also etwa Stress, Schlaf, Ernährung und Lebenszufriedenheit.


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