24 STUNDEN TRAISKIRCHEN

Einen Tag und eine Nacht lang auf dem Gehsteig vor dem Flüchtlingslager in Traiskirchen. Was sieht man, wen trifft man? Fünf Begebenheiten

Politik | REPORTAGE UND FOTOS: NINA BRNADA | aus FALTER 30/15 vom 22.07.2015

VORMITTAG

Der verschollene Cousin

Als Majed mit seinem Cousin zuletzt telefonierte, befand sich dieser in der Nähe von Wien, auf der Flucht von Syrien nach Deutschland. Dann muss er wohl von der österreichischen Polizei festgenommen worden sein. Zumindest glaubt das Majed, ein Mann in lachsfarbenem Hemd, mit geölten Haaren und Berliner Akzent. "Das ist die einzige Erklärung dafür, warum er sich nicht mehr meldet." Seit 31 Jahren lebt der gebürtige Libanese in Deutschland. Als er nichts mehr von seinem Cousin hörte, setzte er sich in seinen Wagen und fuhr von Berlin nach Wien. Dort fragte er bei der erstbesten Polizeistation, wo er seinen Verwandten finden könnte. Fragen Sie doch in Traiskirchen nach, sagte man ihm.

Nun sitzt er da, auf dem Sockel eines Zaunes gegenüber dem Eingang des Flüchtlingslagers. Majed wartet. Dabei weiß er gar nicht, ob sich sein Verwandter wirklich da drinnen befindet. Als er zum Sicherheitspersonal am Lagerschranken ging, meinte dieses sogleich, sie könnten


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige