Enthusiasmuskolumne Diesmal: Der beste Vogelpinsler der Welt der Woche

Alles, was Flügel hat, sitzt!

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 30/15 vom 22.07.2015

Die Briten sind ein bizarres Völkchen: Sie schmieren sich Zeug aufs Brot, das aussieht wie Asphalt (und auch so schmeckt), nirgends sterben mehr Parlamentarier bei

Asphyxiophilieunfällen, und wenn irgendjemand die Parole "Marienkäferpünktchenzählen!" ausgibt, dann ist alles, was gehen und bis 22 zählen kann, auf den Beinen.

Wo Enthusiasmus und Anankasmus unter demselben Dach wohnen, da reichen sich auch Kunst und Wissenschaft gerne die Hände, sodass sich unter den britischen Naturwissenschaftlern auch einige große Vogelmaler finden. Und obwohl seit Erfindung der Fotografie die wissenschaftliche Bedeutung der Ornithopinselei zurückgegangen ist, wird gemalt auf Steinkauz komm raus.

Auf besonders entzückende und anmutige Weise tut dies der Illustrator und Vogelkundler Matt Sewell, der auch die äußerst prägnanten und pfiffi gen Begleittexte geschrieben hat - etwa über den Buchfinken: "Very pretty, but common as muck." Zuletzt hat Sewell praktisch jedes Jahr ein Buch mit gefiederten Gesellen herausgebracht, die auf Bäumen, Hecken, Mauern und Dächern hocken, denn so erkennt man sie eben am besten. Auf 219 Illustrationen in drei Büchern sind gerade einmal drei Vögel auch im Flug zu sehen, nämlich Rotmilan, Rauchschwalbe und Mauersegler -bei Letzterem logisch, denn Apus apus ist unfassbar schlecht im Sitzen.

Auf Englisch heißt er übrigens swift, was so viel wie "schnell" und "flink" bedeutet, und etwas von der Flüchtigkeit eignet auch dem Pinselschwung, mit dem Sewell den linken Flügel des Mauerseglers -"a bird made to fly" - aufs grob strukturierte Papier geworfen hat. Genial! Das Barbour-Shirt mit dem putzigen Distelfinken gibt's allerdings nur für Mädchen -and that 's like totally not fair!


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