Digitale Detektive

Die Rechercheplattform Correctiv feiert seinen ersten Geburtstag, Dossier ist drei geworden. Wie lange werden sie noch überleben?

Medien | BERICHT: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 30/15 vom 22.07.2015


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Ein sonniger Tag, es hat unter null Grad. Die Pfützen sind zugefroren.“ Reporter Marcus Bensmann fährt durch die ukrainische Stadt Dnepropetrowsk, spricht in sein Diktiergerät und macht sich auf zum Katastrophenort. „Jetzt geht es los, der erste Checkpoint kommt nach 40 Minuten. Das ist ein kleiner, dann kommt der Große.“ Man hört dem Reporter beim Recherchieren zu, die Karte auf der Webseite correctiv.org zeigt, wo er sich befindet. Man sieht, wie er näherrückt an jene Stelle, an der MH17, das malaysische Passagierflugzeug, auf ukrainischem Boden zerschellte.

Die Reportage auf der deutschen Recherche-Plattform Correctiv heißt „Flug MH17 – Die Suche nach der Wahrheit“. Die Reporter besuchten den Ort, der im Ukraine-Konflikt sinnbildlich für den Propagandakrieg zwischen West und Ost stand. Beide Seiten hatten ihre unterschiedlichen Versionen des Absturzes so lange geschildert, bis dichter Nebel über der Geschichte lag und kaum jemand durchblickte. Correctiv wollte den Nebel lichten. Mehrere Monate lang recherchierte das Team vor Ort und kam zum Schluss: Eine Rakete, die Soldaten der 53. russischen Luftverteidigungsbrigade aus Kursk in Stellung gebracht hatten, traf die Maschine und tötete dabei 298 Zivilisten.


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