Tiere

Strandleben

Falter & Meinung | aus FALTER 30/15 vom 22.07.2015


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Love and marriage / go together like a horse and carriage / This I’ll tell you, brother / you can’t have one without the other“, sang Frank Sinatra schon 1955, ohne zu ahnen, dass diese Formel 60 Jahre später vor allem für das Gespann Urlaubszeit und Facebook gelten wird. Zu den beliebtesten kurz nach Erreichen des Ferienziels geposteten Fotos zählen Bilder, wo ein prall mit Alkohol, Eiswürfeln und Schirmchen gefülltes Glas einen Pool, ein Meer oder einen See teilweise verdecken. Diese Statusmeldungen sind dann mit Kommentaren wie „*neid*“, „da war ich schon letztes Jahr“ oder „Griechenland, echt jetzt?“ zu verzieren.

Ein paar Tage später ändert sich aber die Motiv- und Stimmungslage, und nun dominieren Fotos von garstigen Tieren ohne Nase, Pelz und Ohren, die das kleine Urlaubsglück bedrohen. Passende Begleittexte sind „the horror“ oder „wasndas, anyone help!!!“

Meinereiner hingegen freut sich wie ein Kind im Zuckerlgeschäft über die vielen interessanten Tierarten, die sich vor mir seltsamerweise immer verstecken. Ich lerne auch viel über aktuelle Modetrends, wenn diverse Körperteile der Fotografierenden auch noch zu sehen sind. Für die Benennung einer für Kies- und Steinstrände des Mittelmeers typischen Meerbrassenart, Dorada melanura, werde ich gelobt. Für meine freundliche Erwähnung des ebenfalls sichtbaren und markanten „blauen“ Zehennagellacks muss ich meinerseits eine Nachschulung in der Nomenklatur korrekter Bezeichnungen der Farben annehmen, mit denen Menschen sich die Keratinplatten auf der Oberseite ihrer Finger- und Zehenkuppen einfärben: „Das heißt immer noch cocktail bling!“ Ja, das Leben ist ein stetes Geben und Nehmen. Ich öffne daher eine kleine Sommerserie und lade die p.t. Leserschaft ein, mir Fotos vor Tieren zuzusenden oder zu facebooken, die ihnen im Urlaub begegnen. Ein paar Wünsche hätte ich aber, um mir das Bestimmen zu erleichtern.

Erstens: Immer auch den genauen Fundort angeben. „Griechenland“ oder „im Wasser“ wäre beispielsweise zu unscharf.

Zweitens: Falls es das betreffende Tier zulässt, Fotos von verschiedenen Seiten machen.

Drittens: Bei kleinen Tieren eine Münze oder ein anderes bekanntes Objekt danebenlegen.

Optional: Angaben zu sichtbaren Nagellacken. Zum Beispiel: „Brooch the subject ist ein toller Nudeton für alle ohne rosa Unterton in der Haut.“


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