Nüchtern betrachtet

Der einen Spaß ist des anderen Schlaf

Feuilleton | aus FALTER 30/15 vom 22.07.2015

Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern scheint sich in letzter Zeit entspannt zu haben. Was natürlich auch ein Euphemismus für schwindende Leidenschaft und wachsende Indifferenz sein könnte. Wie also soll ich das einzige mir vorliegende Datenmaterial, nämlich die reduzierte Paarungs-und Entpaarungsakustik, die im Sommer durch das geöffnete Schlafzimmerfenster an mein Ohr dringt, auslegen? Sexualgeräusche, gar solche, die mit monicaselesartigen Stöhnoffensiven einhergehen, habe ich

schon lange nicht mehr vernommen, dafür sind auch die "Fick dich"-"Fick dich selber, Hure"-Telefonate zurückgegangen, die ums Karree schnürende junge Männer mit Migrationshintergrund zu führen pflegten.

Stehen wir am Beginn eines postsexuellen Zeitalters oder machen die Menschen bloß das Licht aus und die Fenster zu, bevor sie sich an die moderat ambitionierte Genitalerkundung machen? Haben gar die internationalen Lebensmittelkonzerne ihre Zimtschnecken, Pizzaburger und Mikrowellenfrühlingsrollen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige