Der Sturz des roten Engels

In St. Margarethen wird die Oper "Tosca" als Show geboten, bei der die Sänger gegen den Bühnenbombast wenig Chance haben

Feuilleton | REPORTAGE: NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 30/15 vom 22.07.2015

Es ist immer noch furchtbar heiß, als sich der Besucherstrom über die Rampen nach unten wälzt. Obwohl schon die Dämmerung über dem Römersteinbruch St. Margarethen hereingebrochen ist, regt sich kein Lüftchen. Dafür bieten die Programmverkäufer auch Fächer mit dem Sujet von "Tosca" an.

Auf halbem Weg zur Sitztribüne wird schon der größte Star des Abends sichtbar: Aus der Distanz sieht der gewaltige Engel, der dieses Jahr die Bühne dominiert, tatsächlich wie gemeißelt aus.

Die alten Hasen dieses Sommertheaters -und diese scheinen in der Mehrzahl zu sein -haben alles mit. Aus ihren Taschen holen sie Sitzpolster, Gelsenschutz sowie Getränke und Knabbereien für die Pause. Der Dresscode ist leger, leider später auch der Umgang mit dem Kamerablitz.

Die junge, blonde Intendantin Maren Dorfmeister begrüßt das Publikum persönlich, dann wird die Handlung des ersten Akts verlesen.

Als die Ouvertüre ansetzt, taucht oben bei der Taille des Engels ein Mann auf, der sich über die reifrockartigen


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