Film Neu im Kino

Betörende Bilder, schwarzer Humor: "Slow West"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 31/15 vom 29.07.2015

Einsam liegt ein Bursche unter dem Nachthimmel des Wilden Westens. Er zielt mit seiner Waffe auf die Sterne: Jene, die er zu treffen gedenkt, blitzen auf.

Bereits die Eingangssequenz verrät, dass "Slow West", Langfilmdebüt von Regisseur und Drehbuchautor John Maclean, kein klassischer Western ist. Wenngleich die 1870 spielende Geschichte des 16-jährigen Schotten Jay, der in Amerika seine Liebe, die etwas ältere Rose, wiederfinden will, im klassischen Gewand daherkommt: Die weite Landschaft Colorados (gedreht wurde allerdings in Neuseeland) ist von einsamen Reitern, Outlaws in Felljacken, gejagten Ureinwohnern und Mördern bevölkert, deren Erscheinungsbild mit viel Liebe gestaltet wurde.

In einem Wald trifft Jay (Kodi Smit-McPhee) auf den raubeinigen Silas (Michael Fassbender), der sich gegen Bezahlung kurzerhand zu seinem Beschützer erklärt. Gemeinsam streben der hoffnungsvolle Romantiker und der von dieser Weltsicht angezogene Einzelgänger dem verwunschenen Holzhaus mit den Papierfensterscheiben zu, in dem Rose wohnt - verfolgt von Kopfgeldjägern, die es auf das Leben der jungen Frau abgesehen haben.

Maclean verknüpft die Reise mit Erinnerungssequenzen Jays, absinthinduzierten Träumen, großartig in Szene gesetzten Lagerfeuergeschichten und Silas' Erzählerstimme. Der verschmitzt-melancholische Soundtrack begleitet eine Handlung, die so sympathisch wie zynisch mit trockenem Humor vom Untergang einer Welt erzählt. Genüsslich werden Schauplätze und Stimmungen des Genres aufgerufen -seien es sich gegenüberstehende Revolverhelden, ein abgelegener Handelsposten oder der blutgetränkte Showdown - und in betörende Bildkompositionen mit verspielten Details übertragen. Ein frischer, sehenswerter kleiner Western.

Ab Fr (OF im Artis, OmU im Votiv)


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