Tiere

Ur-Laub

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 31/15 vom 29.07.2015


Das Smartphone vibriert und informiert mich, dass mein Datenvolumen von fünf Gigabyte aufgebraucht ist. Ich bin darob sehr erfreut, denn mein letztwöchiger Aufruf, mir Fotos von Tieren zu senden, die einem im Urlaub begegnen, motivierte viele freundliche Lesende, mir ganze Fotoalben ihrer letztjährigen Ferienreisen zu mailen. Geografisch liegen die Orte der Aufnahmen zwischen dem heimischen Balkonien und der namibischen Wüste. Taxonomisch reicht das Artenspektrum zugesandter Tiere von einigen wenigen Säugetieren („Was ist das für eine Ziege mit Hundeohren?“) bis zu sehr vielen Insekten. Letzteres wiederum freut meinen Augenarzt, denn das genaue Betrachten winziger Tiere auf Bildern, die offenbar aus ästhetischen Gründen mit einem Weichzeichner à la David Hamilton aufgenommen wurden, hat mich bereits gefühlte zwei Dioptrien an Sehstärke gekostet. Aber gerade hier gilt ein Zitat, das Helmut Newton zugeschrieben wird: „Jedes Mal, wenn mir jemand sagt, wie scharf mein Bild ist, nehme ich an, dass es sich nicht um ein sehr interessantes Foto handelt. Wenn es so wäre, dann hätte man mehr zu sagen.“ Und ich sage: Alle Fotos, die auf Facebook gepostet und mir gemailt wurden, sind zumindest sehr interessant.

Schwierig ist es aber, die Information in der Antwort richtig zu dosieren. Schreibt man angesichts einer Birkenknopfhornblattwespe freundlich zurück „Das ist eine von etwa 800 mitteleuropäischen Arten der Pflanzenwespen, die man daran erkennt, dass sie keine Wespentaille haben“, dann wirkt das vielleicht zu ungenau. Antwortet man hingegen: „Ich halte das für Cimbex femoratus, bitte um ein Foto von der Unterseite der letzten Abdominalsegmente, um sie von Cimbex luteus zu differenzieren“, verliert man schnell das Interesse des p.t. Publikums. Und da ich nicht der großartige Cartoonist Gary Larson bin, darf ich auch nicht auf witzig „Das ist Karli“ zurückschreiben.

Auch bei der Frage „Wie riechen Wanzen?“ sollte man sich nicht als Schweinchen Schlau präsentieren und „Natürlich mit den Antennen, Nasen haben sie ja keine“ sagen, sondern ganz artig replizieren: „Ich finde, sie riechen sehr ätherisch nach langkettigen Alkenen, Alkoholen und Ketonen. Andere empfinden das als stinkig.“

Welches der zugesandten Fotos das beste war? Jenes, das Sie, liebe Urlaubende und Fotografierende, morgen machen werden.


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