Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Auf der Flucht

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 31/15 vom 29.07.2015

Aus Bosnien berichtete Bernhard Odehnal vom Strom der Flüchtlinge, der sich aus den Enklaven Srebrenica und Žepa nach Nordbosnien ergoss. Eine gynäkologische Ambulanz linderte das Leid ein wenig. Sie betreute "12 Orte und Flüchtlingslager, insgesamt wurden in 15 Monaten 25.000 Frauen in der Ambulanz behandelt". Die Ambulanz war von der Hilfsorganisation Care organisiert und mit Spenden der Falter-Leserschaft finanziert worden.

Der Falter bemühte sich, eine Diskussion über ein heißes Thema der Stadtentwicklung in Gang zu bringen. Sie sollte unter dem gern parodierten Titel "Platte? Debatte!" ebendiese anheizen, was aber nicht wirklich gelang. Die Kaisermühlner jedenfalls waren gegen die Platte, wie Thomas Seifert in seinem Beitrag schilderte, sie beharrten darauf, in einem Dorf zu wohnen.

Der Flüchtlingsfrage widmete sich ein Essay des Schriftstellers Josef Haslinger. Seine Schlussfolgerung liest sich heute gleich aktuell wie damals: "Langsam -und gewiss mit Bedacht - sollten wir uns auch der Frage stellen, ob ein expandierender Bewusstseinsmarkt, ein weltweites Marketing von Literatur, Ideen und Kunst nicht auch eine neue, weltweite Verantwortlichkeit für die sozialen und politischen Implikationen unserer ,privaten', ganz persönlichen Kreativität miteinschließt. Es geht nicht darum, die Kunst mit neuen Normen zu quälen. Vielmehr geht es darum, dass denjenigen, die für ihre Kreationen der Öffentlichkeit bedürfen, der Zustand dieser Öffentlichkeit eigentlich nicht egal sein sollte.

Ob Flüchtlinge in einer Gesellschaft als schutzbedürftige Menschen gelten oder als ,Parasiten' oder ,Kriminelle', hat nämlich mehr mit der Tätigkeit von Schriftstellern zu tun, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Hat man nämlich damit begonnen, Parasiten zu bekämpfen, findet man sie bald überall."

Im Stadtleben berichteten Carolin Giermindl und Thomas Rottenberg unter dem Titel "A schene Leich" über die letzten Tage der DDSG, des "einst größten Binnenschifffahrtsunternehmens der Welt".


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